Diagnostik für die Typ I- und Typ IV-Allergie bei Hunden, Pferden und Katzen

Die Verdachtsdiagnose einer allergischen Erkrankung ergibt sich aus dem klinischen Bild, der Anamnese und der Labordiagnostik. Bei der Identifizierung der für das einzelne Tier pathogenen Allergene spielt die Labordiagnostik eine große Rolle. Wichtig ist es, ausgehend von der Klink und dem vermuteten Allergen auf den Typ der allergischen Reaktion zu schließen, da sich die Testverfahren unterscheiden.

1. Typ I-Allergien (Soforttyp, IgE-Typ) Basophilen-Degranulationstest (BDT)

Für die Diagnostik der Typ I-Allergien, mit den Merkmalen Mastzellen, Histamin, Symptomatik innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden und spezifische IgE-Antikörper, sind zu unterscheiden:

Dispositionsnachweis:
Erhöhtes Gesamt-IgE

Sensibilisierungsnachweis:
Spezifische IgE-Antikörper gegen Allergene, die nach Anamnese und klinischem Bild ausgewählt werden.

Die Bestimmung des Gesamt-IgE ist meist entbehrlich, da seine Sensitivität und Spezifität gering sind. Der sichere Nachweis von spezifischen IgE gegen ein oder mehrere definierte Allergene ist beweisend für eine Sensibilisierung. In mehr als einem Viertel der Fälle gehen hohe Spiegel an spezifischem IgE (und eine deutliche klinische Symptomatik) mit normalem Gesamt-IgE einher. Im Gegenschluss: Parasiten sind weit häufiger für erhöhte IgE-Spiegel verantwortlich als allergische Dispositionen.

Für die entscheidende Diagnostik, den Nachweis des allergen-spezifischen IgE, stand bisher nur der Allergie-Blot zur Verfügung, der mit Problemen behaftet ist. Nur in einem Teil der Fälle gelang es damit, ein allergisches Krankheitsbild befriedigend zu erklären. Ursache ist die nur zum Teil gegebene Spezies-Spezifität der verwendeten Testsätze, die eingeschränkte Allergenauswahl und die Tatsache, dass mit diesem Test nur die frei im Blut vorhandenen spezifischen IgE-Antikörper, nicht aber die an Mastzellen oder basophile Granulozyten gebundenen, nachgewiesen werden. Gerade letztere sind aber für die Symptomatik verantwortlich.

Der Basophilen-Degranulationstest stellt eine neue Qualität in der Allergiediagnostik dar. Dieser funktionelle Test (das Blut des Tieres wird direkt mit dem vermuteten Allergen stimuliert) hat folgende wichtige Vorteile:

Spezies-unabhängige Testmethode
Da mit dem (allergen-induzierten) Leukotrien ein spezies-unabhängiger Marker gemessen wird, konnte der für die Humanmedizin schon Anfang der 90-er Jahre entwickelte Test fast unverändert in die Veterinärmedizin übernommen werden.

Hohe Sensitivität
Es werden Basophilen-gebundene und freie IgE nachgewiesen.

Umfangreiche Auswahl an Allergenen einschließlich nativer Allergene
In dem Test ist jedes Allergen einsetzbar. Es ist sogar möglich, eine Probe der "vermuteten" Substanz mit ins Labor einzuschicken.

2. Typ IV-Allergien (Spättyp) Lymphozyten-Transformationstest (LTT)

Dieser Typ, der keinerlei Bezug zum IgE hat, wird häufig nicht berücksichtigt, da seine Diagnostik bis vor wenigen Jahren nur mit dem aufwendigen und unbefriedigenden Hauttest möglich war. Eine ergebnislose Suche nach spezifischen IgE ist die Folge, wenn eine Typ IV-Allergie Ursache der Symptomatik ist, da dieser Typ durch allergen-spezifische Immunzellen (Lymphozyten) verursacht wird. Einschlägig typische Allergene sind u.a. Metallionen (Nickel, Kobalt, Chrom, nicht selten auch im Futter enthalten!) Arzneimittel, Umweltchemikalien, Schimmelpilze und Futtermittel. Die entsprechende Labormethode zum Nachweis von Typ IV-Reaktionen ist der Lymphozyten-Transformationstest (LTT), wobei Immunzellen aus dem Tierblut isoliert und mit den Testallergenen über 6 Tage stimuliert und kultiviert werden. Ein positives Testergebnis ergibt sich durch die Stimulation der Lymphozytenproliferation. Gemessen wird die allergen-induzierte DNA-Synthese im Vergleich zu Negativ- und Positivkontrollen.

Auch der LTT wurde ursprünglich für die Humanmedizin etabliert und wird dort seit Jahren erfolgreich angewandt.

Die o. g. Vorteile des BDT betreffen auch den LTT, da es sich ebenfalls um einen "in vitro Provokationstest" und nicht um eine Serumbestimmung von Allergiemarkern handelt. Wie der BDT ist auch der LTT unabhängig von der untersuchten (Säuge-)Tierspezies einsetzbar. Die Allergenauswahl ist nahezu uneingeschränkt, da auch native (mit einzusendende) Allergene verwendet werden können.

Wichtig: Wann benutze ich welchen Test?

BDT:

  • Pollenallergien, Hausstaub- und Futtermilben, Insektengifte,
  • Schimmelpilze, wenn Erkrankungen des Atmungstraktes im Vordergrund stehen,
  • Medikamente und Futtermittel, wenn die Symptomatik nachweislich innerhalb von maximal 2 - 3 h nach Allergenkontakt auftrat


LTT:

  • Kontaktallergene wie Metalle und Chemikalien,
  • Schimmelpilze und Milben, wenn chronische Hauterkrankungen im Vordergrund stehen,
  • Medikamente und Futtermittel, wenn chronische Hauterkrankungen vorherrschen bzw. die Symptomatik verzögert (>24h) auftrat

Was wird an Patientenmaterial benötigt?

Für den BDT EDTA-Blut (wenn möglich je Allergen 2 ml). Im LTT wird Heparinblut verwendet. Hier senden wir Ihnen gern Abnahme-Sets kostenfrei zu. Bestellung unter (030) 77001 - 225.

Profile und Preise entnehmen Sie bitte unserem Leistungsverzeichnis und der Preisliste.

Zu guter Letzt:
Als allergologisches Speziallabor sehen wir unsere Aufgabe nicht nur in der Ermittlung von Laborwerten, sondern verstehen uns auch als fachliche Diskussionspartner für Ihre Praxis. Dazu zählen neben ausführlichen Befundinterpretationen auch zusätzliche Informationen am Telefon. Bitte zögern Sie nicht, uns im Vorfeld der Untersuchung oder nach Erhalt der Befunde telefonsich zu kontaktieren: (030) 77001-222.

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